Überlebensstrategien für Menschen mit Asperger Syndrom

von Marc Segar

April 1997 Edition

aus dem Englischen von Rainer Döhle

 

 

Inhalt

1.
Vorwort
2.
Einführung
3.
Wie man aus dem Buch den größten Nutzen zieht
4.
Sich Gedanken machen
5.
Das Positive sehen
6.
Körpersprache (Abstand, Blickkontakt, Tonfall, Kleidung)

7.

Wahrheit, wörtliche und nicht-wörtliche Bedeutung (Fehlurteile, die andere über Dich gebildet haben)
8.
Gespräche (Allgemeinbildung, Namen)
9.
Witze und Konflikt
10.
Sexualitätsbezogene Probleme und Ausgehen (Ausgehen, Flirten, Einladungen, Persönliche Sicherheit, Vergewaltigungen)
11.
Die richtigen Freunde finden
12.
Eine saubere Weste behalten
13.
Sich Outen
14.
Schule und Lernen
15.
Von zu Hause ausziehen (Telefonieren, Gäste)
16.
Jobs und Vorstellungsgespräche
17.
Autofahren
18.
Verreisen (Feilschen/Handeln)
19.
Gelegenheiten
20.
Eine persönliche, eingehende Untersuchung des Problems
21.
Weitere Lektüre (englischsprachig)

 

01 Vorwort zurück nach oben

Strange Game sculpture
"Strange Game" Skulptur von Marc Segar

Mehr über Marc Segar erfahren Sie in Die Kämpfe des autistischen Denkers

 

Soweit ich weiß ist dieses Buch einzigartig. Eine Reihe von Menschen, die am Asperger-Syndrom leiden, vor allem Temple Grandin, Donna Williams, David Miedzianik, Therese Joliffe, Kathy Lissner und Darren White, haben uns Einblicke in ihre Erfahrungen gewährt, immer aus ihrer persönlichen und manchmal von persönlichen Eigenheiten geprägten Perspektive. Marc dagegen geht einen Schritt weiter, indem er einen ganz praktischen, lebensnahen Führer durch die Tücken des Alltags der Asperger-Betroffenen bietet.

Marc weiß aus eigener Erfahrung, was Menschen mit Asperger-Syndrom lernen müssen und viel von diesem Wissen ist Ergebnis bitterer Erfahrungen. Sein ausdrücklicher Wunsch ist, dass anderen ein solch harter Weg zur Erkenntnis erspart bleibt und dass andre, die ihm folgen, einige seiner eigenen kurzfristigen Rückschläge vermeiden können.

Marc hat seine eigenen Vorstellungen darüber, wie Autismus-Probleme zu verstehen sind und diese Vorstellungen werden für all jene von Interesse sein, die versuchen wollen, das "Rätsel" Autismus zu lösen, sei es von innen oder von außen. Marks Erkenntnis, dass "Autisten mit dem bewussten Verstand lernen müssen, was Nichtautisten intuitiv lernen" wird jedem Asperger-Autisten helfen. Seine Ansichten basieren nicht nur auf eigener Erfahrung, seine Lösungsvorschläge gehen auch auf die Schwierigkeiten ein, von denen er weiß, dass andere als er selbst sie bewältigen mussten.

Das Buch ist voll von wirklich hilfreichen Ratschlägen; einige davon würden in dieser Form von professionellen Psychologen wohl kaum angeboten werden, da ihnen oft nicht bewusst ist, wie relevant sie sein können. Marc kann diese Relevanz gut einschätzen und das allein schon macht das Buch auf überzeugende Weise wertvoll für jeden jungen Mann und jede junge Frau, die mit dem Asperger-Syndrom zurechtkommen müssen, aber das macht es auch besonders erkenntnisfördernd für die Angehörigen und für professionelle Psychologen, die gerne helfen möchten, sich aber der Aufgabe manchmal nicht gewachsen fühlen. Außerdem erinnert uns Marc an Dinge, die wir manchmal gerne vergessen, etwa: "Auch ein kleiner Fortschritt ist ein Fortschritt."

Als jemand, der oft damit zu tun hat, sowohl Asperger-Betroffene als auch ihre Angehörige zu beraten, weiß ich, dass ich dieses Buch als meinen wichtigsten Ratgeber gebrauchen werde.

Ich glaube, dass es enorm dazu beitragen kann, die Frustrierungen und Depressionen zu mildern, die bei so vielen jungen Menschen bei dem Versuch auftreten, sich in eine Welt zu integrieren, die ihnen nicht immer freundlich gesinnt ist. Wir alle können Marc für seine Leistung dankbar sein. Wir sind stolz, dass wir dieses Buch veröffentlichen können.

Elizabeth Newson 1997

 

02 Einführung zurück nach oben

Solange ich zurückdenken kann hatte ich komplexe Gedanken, die mich einzigartig gemacht haben. Schon als kleines Kind in der Grundschule habe ich die meiste Zeit für mich verbracht und ohne dass andere Leute wirklich aus mir schlau geworden wären.

Meine mich ewig faszinierenden Gedanken und Ideen waren in meinem Kopf eingeschlossen und ich konnte se anderen nicht mitteilen.

Als ich sieben Jahre alt war, bekam ich die Diagnose Autismus in Form der Variante, die man heute Asperger-Syndrom nennt. Nicht lange danach kam ich auf eine Schule namens Whitfield in Walthamstow, London, wo ich in den nächsten acht Jahren Unterstützung von einer fröhlichen, begabten Frau namens Jenny bekam. Bald nachdem die Schule anfing, kamen meine Familie und ich in eine Gruppe, die Familienunterstützung anbietet und Kith and Kits heißt und wo ich mich heute als regelmäßiger Freiwilliger und Kursteilnehmer beteilige, wobei ich immer aktiv und kreativ bin.

Mit 14 wechselte ich zu einer Schule namens West Lee in Edmonton, wo ich schließlich meinen Oberschulabschluss machen konnte, bei dem ich ganz gut abschnitt. Dass ich als Kandidat für den Abschluss zugelassen wurde, verdanke ich hauptsächlich meinem Französischlehrer Mr. Cole, dem ich sehr dankbar bin.

Mit 17 konnte ich dann mit der Oberstufe in Wichmore anfangen, wo ich viel für meine Leistungskurse gelernt habe, aber auch zur Zielscheibe für die Hänseleien und Quälereien der Mitschüler wurde. Zu dieser Zeit habe ich auch gelernt, ganz für mich zu bleiben und habe auch begriffen, dass es viele ungeschriebene Regeln für das Verhalten und Betragen gab, die jeder außer mir kannte.

Danach wurde ich an der Universität Manchester immatrikuliert, um ein Biochemiestudium zu absolvieren, dass ich mittlerweile abgeschlossen habe. Das Studium habe ich mit derselben Illusion begonnen, die mich schon ein Leben lang begleitet, nämlich, dass mit einem Neuanfang auch die Hänseleien aufhören würden. Jedenfalls war mein sozialer Status im ersten Jahr erschreckend und ich habe ein ganzes Jahr mit sieben anderen Typen in einer Wohnung gelebt, wobei ich mich ziemlich isoliert habe.

Im zweiten Jahr bin ich dann in einem Haus in Fallowfield gelandet, wo es drei Freunde gab und noch zwei freie Plätze. Ich bin da ganz zufällig hingeraten und habe dann Freundschaft mit einem Nick geschlossen, der den letzten freien Platz übernommen hat.

Er ist ein Rebell durch und durch und hat mir seitdem eine Menge beigebracht, die ich brauchte, um mich in der rauen und manchmal feindseligen Wirklichkeit der Straßen und Clubs von Manchester zurechtzufinden. Zwischen dem zweiten und dem dritten Jahr habe ich dann ziemlich spontan eine Reise nach Ostafrika gemacht, wo ich die meiste Zeit auf eigene Faust ohne die Reisegruppe, die mich ablehnte, verbracht und einiges über die Lebensweise und die Gewohnheiten der Einheimischen gelernt habe. Niemals zuvor war meine liebe Mutter so besorgt um mich wie damals.

In meinem letzten Jahr hatte ich das Glück, mit Leuten zusammenzuleben, die sehr erwachsen und auf konstruktive Weise intelligent waren. Nach meinem Abschluss habe ich verschiedentlich mit autistischen Kindern sowohl hier in England als auch anderswo gearbeitet. Jetzt arbeite ich als Unterhalter für Kinder und ich glaube wirklich, dass das für mich ein erfolgreicher Schritt war.

Ich habe mich nun bewusst entschlossen, ein Buch zu schreiben. Es soll dazu dienen, meine Erfahrung im Überleben als Asperger-Betroffener in einer Welt, in der jede Situation immer wieder etwas anders ist, weiterzugeben, damit andere Betroffene davon profitieren können. Ich möchte eine Reihe von Regeln und Richtlinien aufstellen, ein wenig in der Art von Verkehrsregeln, in einem einheitlichen Stil, sodass keine unnötige Verwirrung entsteht. Die Punkte, die ich aufführe, will ich so formulieren, dass sie unzweideutig sind und so niemanden durcheinanderbringen oder dazu führen, dass man Dinge in einem falschen Zusammenhang anwendet.

Wahrscheinlich sind unter den Lesern sowohl Autisten als auch Nichtautisten. Ich will klarstellen, dass einige von den Punkten, die ich aufführe, für einige ganz offensichtlich, anderen dagegen neu sind und betone deshalb, dass ich nicht bevormundend oder pedantisch sein möchte.

Ich habe mich entschieden, dass Buch grade jetzt und nicht später zu schreiben, da die entscheidenden Fehler und Lektionen meines Lebens noch deutlich vor mir stehen. Einigen wird dieses Buch vielleicht etwas zu alltagsbezogen erscheinen, aber ich selbst glaube, dass, wenn ein Autist selbst hinaus muss in die doch ziemlich feindselige Welt, dann ist das letzte, was er braucht, zu sehr beschützt zu werden. Ich will solche Menschen einfach ausreichend mit den Tricks und Fähigkeiten ausstatten, die sie brauchen, um sich selbst verteidigen zu können und will hier nicht bestimmte Meinungen vertreten oder gar heuchlerisch erscheinen. Dieses Buch profitiert auch von konstruktiven Berichten von Eltern anderer Autisten.

Ich möchte nicht, dass irgendeiner meiner autistischen Leser unter unnötigen Druck gesetzt wird, wenn er dieses Buch liest. Für den Anfang mag es ausreichen, wenn man dieses Buch einfach bei sich im Schlafzimmer liegen hat, damit es einem hin und wieder ins Blickfeld gerät und man so eine gesunde Neugier für es entwickelt.

Meine einzige Absicht bei diesem Buch ist es, das Leben von Menschen zu verbessern und möchte jeden meiner autistischen Leser auch dringend nahe legen, sich nicht zu sehr dadurch unter Druck setzen zu lassen, das Buch sofort anzuwenden und sich daran zu erinnern, dass auch Rom nicht an einem Tag erbaut wurde.

Auch ich selbst habe immer noch Schwierigkeiten, all diese Regeln in die Praxis umzusetzen, aber es kann sicherlich helfen, sich dieser Regeln bewusst zu werden.

 

03 Wie man aus dem Buch den größten Nutzen zieht zurück nach oben

04 Sich Gedanken machen zurück nach oben

05 Das Positive sehen zurück nach oben

06 Körpersprache zurück nach oben

  Abstand zurück nach oben

Blickkontakt zurück nach oben

Tonfall zurück nach oben

Kleidung zurück nach oben

 

07 Wahrheit, wörtliche und nicht-wörtliche Bedeutung zurück nach oben

Ironie bedeutet, dass jemand etwas sagt, aber das Gegenteil meint, etwa wenn jemand rülpst und man antwortet darauf "wie höflich". Am besten erkennt man Ironie am Tonfall der Stimme. Manchmal wirst Du Dich gegen Ironie und Sarkasmus zur Wehr setzen müssen - wie, zeige ich in den nächsten Kapiteln.

Fehlurteile, die andere über Dich gebildet haben zurück nach oben

 

08 Gespräche zurück nach oben

Allgemeinbildung zurück nach oben

Namen zurück nach oben

 

09 Witze und Konflikt zurück nach oben

 

10. Sexualitätsbezogene Probleme und Ausgehen zurück nach oben

Ausgehen zurück nach oben

Flirten zurück nach oben

Einladungen zurück nach oben

Persönliche Sicherheit zurück nach oben

Für jeden, egal ob männlich oder weiblich, ist es das Beste, nachts nicht allein durch leere oder schlechtbeleuchtete Straßen zu gehen, aber hier ein paar Tipps, wie Du Dich schützen kannst:

Vergewaltigungen zurück nach oben

 

11 Die richtigen Freunde finden zurück nach oben

Wahre Freunde

Falsche Freunde

Feinde

Behandeln Dich genauso, wie alle ihre anderen Freunde

Behandeln dich vielleicht anders als die anderen

Werden Dich die meiste Zeit nicht wahrnehmen

Werden Dir sowohl kurzfristig als auch langfristig das Gefühl geben, gemocht zu werden

Werden Dir dieses Gefühl kurzfristig geben und Dich dann fallen lassen

Werden dir dieses Gefühl nie geben und stattdessen jeden Deiner Fehler bemerken und ihn anderen erzählen

Wenn sie dir Komplimente machen, meinen sie es ehrlich

Machen Dir vielleicht auch viele Komplimente, ohne sie aber ehrlich zu meinen

Werden Dir eher sarkastische Kommentare und Beleidigungen nachwerfen oder einfach einen Bogen um Dich machen

Werden dich als gleichberechtigt behandeln

Werden Dich oft ausnutzen

Werden Dich als minderwertig behandeln

Werden Dich bei Gelegenheit aufklären, was andere über Dich denken

Was Du tun kannst:

Ihnen dieselbe Aufmerksamkeit schenken, die sie Dir geben und ihnen zuhören

Dich wehren, ohne Dich schuldig zu fühlen, wenn sie Dich unfair behandeln und ihnen sagen, sie sollen verschwinden

Vielleicht sind sie einfach verärgert über etwas, das Du getan hast oder sie sind eifersüchtig über bestimmte Talente, die Du hast. Wenn sie eifersüchtig sind, werden sie es nie zugeben

Nimm ernstgemeinte Komplimente an, indem Du einfach danke sagst, dann werden sie sich wegen der Komplimente nicht komisch vorkommen. Zeig ihnen mit den Mitteln der Körpersprache, dass Du sie gern hast

Denk dran: es sind vielleicht die Art von Menschen, denen es Spaß macht, anderen wehzutun, weil sie sich selbst innerlich schwach fühlen

Wenn Du sie alleine erwischst, werden sie vielleicht plötzlich still und schüchtern; dann kannst Du sie fragen, warum sie Dich schlechter behandeln als die anderen. Wenn sie wirklich böse auf Dich sein sollten, weil Du einen Fehler gemacht hast, kannst Du Dich bei ihnen entschuldigen und versprechen, den Fehler nicht zu wiederholen

Du wirst sicher vielen Leuten begegnen, die nicht genau in dieses Schema passen, dann musst Du selbst entscheiden, wie Du reagierst.

 

12 Eine saubere Weste behalten zurück nach oben

 

13 Sich outen zurück nach oben

 

14 Schule und Lernen zurück nach oben

 

15 Von zu Hause ausziehen zurück nach oben

Telefonieren zurück nach oben

Gäste zurück nach oben

 

16 Jobs und Vorstellungsgespräche zurück nach oben

 

Schwach

Selbstbewusst

Aggressiv

Sieht zu Boden

Hat die Hände zur Faust geschlossen

Redet oft zu leise

Weicht zurück, wenn er angesprochen wird

Hat einen schwachen Händedruck

Wird leicht unterdrückt

Ist oft mit sich selbst unzufrieden und lässt sich oft ausnutzen

Ist in Gesellschaft schüchtern und zurückgezogen

Kann Komplimente nicht annehmen

Sagt zu oft: tut mit leid und Entschuldigung

Hat eine aufrechte, aber entspannte Haltung

Behält Blickkontakt beim Zuhören und Sprechen (mehr als zwei Drittel der Zeit)

Sieht anderen ins Gesicht

Hat einen festen, aber nicht zu festen Händedruck

Kann, wenn es sein muss, nein sagen

Kann seine wahren Gefühle ausdrücken

Interessiert sich für die Meinung anderer ebenso wie für die eigene

Behandelt jeden als gleichberechtigt

Steht still, mit steifer Haltung

Hat die Arme verschränkt

Ist laut und zeigt auf andere

Haut gerne auf den Tisch

Hält ständig Blickkontakt und blickt dem Gegenüber direkt in die Augen

Redet lieber als dass er zuhört

Sagt anderen gerne, was sie tun sollen

Glaubt, immer recht zu haben

Sagt anderen gerne, sie seien minderwertig

Isoliert sich, weil die Leute um ihn herum Angst vor ihm haben

 

17 Autofahren zurück nach oben

 

18 Verreisen zurück nach oben

Feilschen/Handeln zurück nach oben

 

19 Gelegenheiten zurück nach oben

 

20 Eine persönliche, eingehende Untersuchung des Problems zurück nach oben

Ich glaube, dass der beste Weg, den Autismus zu bewältigen der ist, ihn zu verstehen. Autismus wird von verschiedenen biochemischen Prozessen verursacht, die die Art, wie das Gehirn sich entwickelt, beeinflussen.

Eine Weile glaubte ich, das Gehirn von Autisten sei auf eine Weise leicht anders aufgebaut, dass Nervenimpulse eher nach oben und unten (wortwörtliches ("literal") Denken) und weniger seitwärts (seitlich gerichtetes ("lateral") Denken) geleitet werden. Das wäre ein Effekt, der im ganzen Gehirn und nicht nur in bestimmten Gehirnregionen wirksam wäre. Experimente mit Computern, die wie neuronale Netze aufgebaut sind, haben gezeigt, dass diese oben-unten-Bewegung der Information - wie in autistischen Gehirnen - sehr gut zur Speicherung von Detailinformationen geeignet ist, aber weniger dazu, Unterschiede zu erkennen. Bei Netzen, die eher seitwärts arbeiten, ist es dagegen genau umgekehrt.

Auf das größere und komplexere System Gehirn bezogen heißt das, dass Nichtautisten eher den Zusammenhang erkennen, während Autisten auf Details achten. Autisten sind besser, wenn es um logische, weniger gut, wenn es um intuitive Probleme geht. Das muss nicht unbedingt heißen, dass jeder Autist ein ausgezeichnetes Gedächtnis hat; im Gegenteil, oft sind sie bei bestimmten Dingen eher abgelenkt. Die erhöhte Wahrnehmungsbereitschaft und das ständige Achten auf Details, von denen viele nebensächlich sind, können eine Quelle endloser Ablenkung der Konzentration und Lernfähigkeiten sein. Das kann besonders hinderlich dabei sein, Informationen zum Beispiel über die westliche Kultur, in der man lebt, aufzunehmen, die aber auch in meinen Augen darunter leidet, dass sie kulturell überfrachtet ist (siehe: Allgemeinbildung).

Meine jetzige Auffassung ähnelt der oben dargelegten, modifiziert sie aber etwas. Inzwischen glaube ich, dass sie Hauptursache für Autismus darin liegt, dass eine übergroße Befangenheit gegenüber der Neueinschätzung bestehender Gedanken existiert (daher die Wiederholungen und Rituale). Als Folge ist auch die Fähigkeit zu Intuition und das Bewusstsein für Zusammenhänge reduziert.

Um eine soziale Situation einschätzen zu können, muss man so viele Hinweise wie möglich aufgreifen und sie schnell kombinieren. Die entstehende Schlussfolgerung besteht dabei mehr als aus der summe ihrer Teile.

Es ist für Autisten auch immer schwierig, das richtige Maß zu finden, was sich in allen Bereichen des Verhaltens und Denkens zeigt. Die Fähigkeit, sich an das "Situationskontinuum" anzupassen und mit der umgebenden Welt konform zu gehen, ist aber eine uralte Überlebensstrategie, die besonders im sozialen Bereich von Bedeutung ist.

Wenn ich Autismus in einem einzigen Satz erklären müsste, würde er so lauten:

Autisten müssen mit ihrem bewussten Verstand lernen, was Nichtautisten intuitiv lernen.

 

21 Weitere Lektüre (englischsprachig) zurück nach oben

 

Verwandte Artikel:

Marc Segar: Die Kämpfe des autistischen Denkers

Dinah Murray: Normal und anders

Zurück nach oben